Einfaches und effektives Nutzungskonzept

Professor Dirk Manzke und Architektin Silke Oldenhage im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern – die Initiative für den Speichererhalt hatte eingeladen.

Über 80 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich am vergangenen Freitagabend in Högers Hotel über die Bedeutung des Speichers am Mittellandkanal sowie die Möglichkeiten seines Erhalts und seiner zukünftigen Nutzung zu informieren und darüber zu diskutieren.

Der Speicher stand im Mittelpunkt der Gespräche in Högers Hotel

BAD ESSEN. In ihrer Begrüßung erläuterte Elke Eilers, Mitglied der Initiative für den Speichererhalt, den Ablauf des Abends: „Wir haben den über die Landesgrenzen hinaus anerkannten Professor Dirk Manzke aus Osnabrück und die renommierte Architektin Silke Oldenhage aus Badbergen eingeladen, um uns in kurzen Vorträgen über die Bedeutung des Speichergebäudes und die mögliche Nutzung dieser Landmarke zu informieren. Danach laden wir alle Gäste ein, mit den beiden Referenten ins Gespräch zu kommen. Herzlich willkommen!“

„Unersetzliche Bezüge zur Landschaft und zu Gebäuden Bad Essen“

Prof. Manzke, der schon vor vielen Jahren in der Bewertungskommission zum Wettbewerb um Gestaltungsentwürfe des Sanierungsgebietes am Mittellandkanal mitwirkte, konzentrierte sich in seinenVortrag auf die Bedeutung des Bauwerkes mit seiner besonderen Lage zwischen Norddeutscher Tiefebene, Mittellandkanal, Gleisanlage der Wittlager Kreisbahn, dem Ortskern von Bad Essen und dem Wiehengebirge. Dabei stellte er mit prägnanten Fotos immer wieder die unersetzlichen Bezüge des Speichers zu anderen Bauwerken wie der St. Nikolai-Kirche oder dem Rathaus, aber auch zur Infrastruktur Bad Essens vor. Der Speicher stelle für Bad Essen die seltene und gleichzeitig gelungene Symbiose der Verbindungen von alter und neuer Architektur, den Freizeitwert und der Industrieästhetik dar, ohne die geliebte „Fachwerk-Idylle“ zu verletzen.

Prof. Dirk Manzke verdeutlichte die Bedeutung des Speichers in einer gewachsenen Landschaft

„Vorhandene Ressourcen nutzen“

Im zweiten Vortrag konzentrierte sich die Architektin Oldenhage auf die Darstellung einer durchaus möglichen Nutzung des umstrittenen Gebäudes. Dabei ging sie davon aus, dass die Statik so wenig wie möglich veränderte werden sollte und damit die vorhandenen Stabilitätsressourcen der 9 Silos mit jeweils ca. 5 Metern Durchmesser vollständig kreativ genutzt werden sollten – und nicht entfernt werden müssten, wie es viele gescheiterte Entwürfe bisher vorsahen.

Konkret schlug Silke Oldenhage vor, aus den Lageretagen im westlichen Teil Wohnungen bzw. Lofts mit einer Fläche von 125 m2 oder 250 m2 zu machen und diese mit nach Süden und Westen mit nach innen eingezogenen Terrassen auszustatten. Diese Ebenen könnten auch durch gewerbliche Nutzung oder mit Angeboten für die Bevölkerung genutzt werden. Im Erdgeschoss sieht sie ein Restaurant über die gesamte Fläche des Westteils vor. Weiterhin schlug Oldenhage vor,Treppenhäuser und Fahrstühle in den Siloröhren unterzubringen, welche sicherheitstechnisch den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Für die Siloröhren im östlichen Teil des Speichers sieht ihr Konzept die Schaffung von kleineren, die Rundung der Grundstruktur nutzenden Wohnungen oder Apartments vor, die durch das Einziehen von Decken auf vier Etagen geschaffen werden können. Im Dach könnten in gesamter Breite weiterhin Wohnungen auf zwei Etagen entstehen. Sie schlug außerdem die Wärmedämmung von außen mit einer anschließenden Verblendung vor, die gleichzeitig vor äußerer Feuchtigkeit schützt.

Die Gesamtkosten für eine derartige Sanierung einschließlich der Einbringung aller notwendigen Versorgungeinrichtungen (Wasser, Strom, Heizung etc.) bezifferte die Architektin mit ca. 9,5 Millionen Euro. „In dieser Summe ist alles drin – auch die Kosten für das Bauantragsverfahren oder die Architektenleistung. Die Summe beinhaltet alles!“ Oldenhagerief dazu auf, dass sich Investitionsinteressente für das Gesamtkonzept, aber auch für einzelne Etagen oder Wohnungen bitte bei ihr melden mögen.

Architektin Silke Oldenhage stellte ihr Konzept für eine nachhaltige Nutzung des bestehenden Gebäudes vor

Diskussionsrunden mit den Referenten

In den anschließenden zwei jeweils 30-minütigen Gesprächsrunden mit Architektin Silke Oldenhage und Prof. Dirk Manzke nahmen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des „Werkstattgesprächs“ in kleineren Gruppen die Möglichkeit wahr, Fragen zu stellen und eigene Meinungen kundzutun. Dabei zeigte sich das große Interesse am Thema in vielen Fragestellungen und Stellungnahmen, die sowohl von vereinzelter Skepsis, vor allem aber von Neugierde und dem Wunsch nach weitergehenden Informationen geprägt waren.Besonders der Idee, die Siloröhren zu erhalten und mit kleineren Wohneinheiten zu nutzen, zeigten sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer positiv überrascht.

Nach den Vorträgen stellten sich die Referenten den Fragen der Bürger und Bürgerinnen, hier Architektin Silke Oldenhage und Moderatorin Elke Eilers

Die Initiative für den Speichererhalt lud zum Abschluss des Werkstattgesprächs zu den Treffen der Initiative immer dienstags ab 19 Uhr im „Treff im Ort“ (TriO) in direkter Nähe zum Speicher an der Schulstraße ein. Außerdem wurde angekündigt, dass es noch weitere Veranstaltungen und Aktionen gebe, zu denen die rechtzeitig eingeladen werde.Eine Teilnehmerin fasste den Abend so zusammen: „Das ist ja ein ganz einfaches, aber auch effektives Konzept, mit dem wir den Speicher zukünftig nutzen können. Weiter so!“

Nach den Vorträgen stellten sich die Referenten den Fragen der Bürger und Bürgerinnen, hier Prof. Dirk Manzke
Reges Interesse zeigten die Zuhörer an den Erläuterungen von Architektin Silke Oldenhagen (rechts)
Zuhören: Die Referenten waren bereit, sich den Fragen aus dem Publikum zu stellen

Text und Fotos: Eckhard Eilers